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3 Dinge, die du lernen solltest, loszulassen

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Dieser Artikel ist Teil der Blogparade von tellyventure zum Thema Loslassen.

 

Mir wurde vor Kurzem eine interessante Frage gestellt: Welchen Rat würdest du deinem Ich von vor drei Jahren geben? Gerade vor drei Jahren hat sich bei mir im Leben einiges verändert. Einer der wichtigsten Ratschläge, die ich meinem früheren Ich aber wohl geben würde ist: Lerne, loszulassen.

 

Das Loslassen macht vielen Menschen große Angst. Man hat Angst davor, etwas Wertvolles zu verlieren. Angst davor, weniger wert zu sein, weil man weniger besitzt. Oder Angst davor, als Versager zu gelten. Dabei erfordert gerade das Loslassen und der damit zwangsläufig verbundene Neuanfang besonders viel Mut. Und wer lernt, loszulassen ist glücklicher, ausgeglichener und ruht mehr in sich selbst.

 

 

Dinge loslassen

Schau dich mal kurz um. Wie viel von dem, was du gerade siehst, hast du innerhalb der letzten zwei Monate benutzt? Wie viel davon macht dich tatsächlich glücklich?

 

Aussortieren Minimalismus loslassen Flaylay

Befasst habe ich mich mit dem Thema Loslassen das erste Mal bewusst, als ich nach sechs Monaten Backpacking in Südostasien wieder nach Hause kam. In dieser Zeit hatte ich aus einem acht Kilo schweren Rucksack gelebt. Ich hatte 4 T-Shirts, drei Hosen, zwei Kleider und zwei Bikinis dabei. Mir ging es im Leben noch nie so gut wie in dieser Zeit.

 

Als ich nach Hause kam, war ich völlig überwältigt von meinen ganzen Sachen. Ich hatte meine Wohnung untervermietet und beim Ausräumen meinen Kleiderschrank in fünf Koffer verfrachtet. Ich habe zwei Wochen nicht ausgepackt und weiter aus meinem Rucksack gelebt, weil mir die ganzen Sachen, die ich hatte, einfach viel zu viel waren. 

 

Als ich dann doch anfing, wieder alles in meine Wohnung zu räumen, begann ich zur selben Zeit, auszusortieren. Ich fing mit meinen Klamotten an. Zwei volle gelbe Säcke musste ich wegwerfen. Was sich darin wiederfand, ging noch nicht mal mehr für die Altkleidersammlung. Warum hatte ich das so lange behalten? Zwei weitere Säcke habe ich verschenkt, verkauft oder gespendet. Mein Kleiderschrank war plötzlich ziemlich leer, dafür aber ordentlich sortiert und aufgeräumt. Es quoll nicht alles über und plötzlich musste ich nicht mehr ewig suchen, bis ich dieses eine Lieblingsteil gefunden hatte.

 

Ich merkte, wie gut mir das Aussortieren tat. Ich machte mich daran, den Rest meiner Wohnung durchzugehen. Bodylotions, die ich irgendwann mal geschenkt bekommen hatte, unnütze Küchenutensilien, ungeliebte Bücher, der seit vier Jahren nicht angeschaltete Fernseher: All das landete im Müll oder in den Händen einer Person, die mehr damit anfangen konnte. Am Ende dieser Phase passte mein ganzer Kleiderschrank in einen einzigen Koffer.

 

Damals wusste ich noch nicht, dass ich soeben einen meiner wichtigsten Werte wieder etwas mehr in mein Leben gebracht hatte: Die Ordnung. Die Folge meines Aussortierwahns: Mir ging es wesentlich besser als vor meiner Reise. Nicht nur konnte ich mich wieder konzentrieren, weil ich nicht ständig das ganze Zeug vor Augen hatte, was keinen eigenen Platz in meiner Wohnung hatte. Ich war auch innerlich ruhiger und glücklicher. Weil ich auch zahllose Möbel aussortiert hatte, war in meiner Wohnung endlich so viel Platz wie schon lange nicht mehr. Durch den gefundenen Minimalismus konnte ich mich mit Dingen umgeben, die mich wirklich glücklich machten. 

 

Aber vor allen Dingen habe ich während dieses Prozesses gelernt, mich von Dingen zu trennen. Ich fühlte plötzlich viel stärker. Fühlte, dass nicht die Dinge, die ich besitze, mich ausmachen. Dass ich so Vieles, für das ich vorher einen Platz brauchte, für das ich Geld ausgebe und das ich sauber machen musste, nicht brauchte, um glücklich zu sein. Das ich ohne es im Gegenteil sogar glücklicher war.

 

Während dieses Prozesses stellte sich für mich immer wieder die Frage: Warum hatte ich dieses ganze Zeug so lange bei mir behalten? Die Antwort lag auf der Hand: Ich hatte mich so daran gewöhnt, dass es da war, dass ich es gar nicht mehr in Frage stellte. Ich hatte nie gelernt, selbst so banale Dinge wie einen dritten Küchenschaber loszulassen.

 

Was wir oft vergessen ist, dass nicht die Dinge, die uns umgeben, uns als Person ausmachen. Wir stecken Unmengen an Zeit, Kraft und Geld in den Erwerb, Besitz und Erhalt von Dingen, die uns nichts bedeuten. Für manche ist es das schnelle Auto in der Garage, für andere das iPad, das nur rumliegt und für wieder andere die unüberschaubare Nagellacksammlung. Wir trennen und nicht davon, sie machen uns aber auch nicht glücklich. Im schlimmsten Fall belasten sie uns sogar unbewusst. Und wenn es uns zu viel wird, kommen wir eher auf die Idee, uns einer größere Wohnung zu kaufen als, einfach mal auszusortieren. 

 

Doch manchmal sind es nicht nur die Dinge um uns herum, die uns belasten.

 

 

Menschen gehen lassen

Kennst du auch diese Menschen, die dich einfach nur Kraft kosten? Die deine Energie aus der herausziehen? Die immer nur negativ sind und dich klein machen?

 

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Ein bekanntes Zitat von Joel Osteen besagt: "Wir können nicht erwarten, ein positives Leben zu führen, wenn wir uns mit negativen Menschen umgeben." Und Jim Rohn hat gesagt: "Du bist das Produkt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst."

 

Es gibt Menschen in meinem Leben, die habe ich gehen lassen. Das fällt in der Regel nicht leicht. Zu einem früheren Zeitpunkt im Leben haben sie mir schließlich mal etwas bedeutet. Und die Liebe, die man einmal empfunden hat, vergisst man nicht so schnell. Doch trotzdem ich habe festgestellt, dass mir manche Menschen in meinem Leben einfach nicht (mehr) gut tun. Dass manche im Gegenteil vielmehr alle Kraft aus mir heraussaugen. Von diesen Menschen musste ich lernen, Abschied zu nehmen.

 

Was mir hierbei sehr geholfen hat ist die Tatsache, dass nichts für die Ewigkeit bestimmt ist. Diese eine Person, dieser Mensch hat mein Leben zu einem bestimmten Zeitpunkt bereichert. Für diese Zeit bin ich sehr dankbar. Ich erkenne aber auch an, dass man sich verändert und man sich momentan gegenseitig nicht mehr das geben kann, was der andere braucht. Wenn ich das erkenne, muss ich loslassen. 

 

Sowohl dein Leben als auch das Leben des anderen ist zu kostbar, um es mit der falschen Person zu verbringen. Nicht falsch im abwertenden Sinne. Einfach falsch für dich. Im besten Fall sind es nur leere Beziehungen, die dir nichts geben, die dich aber auch keine Kraft kosten. Im schlimmsten Fall sind es allerdings Personen, die dich runterziehen. Bei denen es dir nach einem Treffen schlechter geht als vorher oder die sogar etwas Schlechtes in dir zum Vorschein bringen. 

 

Solchen Menschen solltest du loslassen. Das fällt natürlich wahnsinnig schwer. Wir haben schon Probleme, uns nur von leblosen Gegenständen zu trennen. Bei Menschen – gerade bei solchen, die uns einmal etwas bedeutet haben oder vielleicht sogar immer noch etwas bedeuten – haben wir immer Angst, den anderen zu verletzen. Versuche der Person ruhig und liebevoll klar zu machen, dass du sie immer noch schätzt, dass sie dir aber (momentan) nicht das geben kann, was du brauchst. Dass es nicht an ihr liegt, sondern an dir. Wenn eine schlimme Zeit hinter euch liegt: Vergib deinem Gegenüber. Wenn du nicht vergibst, wirst du nie frei sein.

 

Sei bei einem klärenden Gespräch wertschätzend und auf jeden Fall ehrlich, alles andere macht es im Zweifel nur noch schlimmer für beide Parteien. Und dann: Lass deinen Gegenüber gehen. Sei dir immer bewusst: Ein "Nein" zu einer Person, die dir nicht gut tut ist ein "Ja" zu dir selbst.

 

 

Unglück gehen lassen

Und somit kommen wir zum letzten und schwierigsten Punkt auf der Liste "Loslassen lernen": Eine Situation an sich, die dich unglücklich macht. Du studierst etwas, das du eigentlich gar nicht studieren möchtest? Du bist unzufrieden an deinem Arbeitsplatz? Du bist nicht mehr glücklich in deiner Partnerschaft?

 

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Wenn du mit einer bestimmten Situation momentan unzufrieden, vielleicht sogar unglücklich bist, dann solltest du daran etwas ändern. Denn wenn du dich dauerhaft in einer Situation befindest, die dich immer belastet, wird dich das irgendwann kaputt machen. Sieh dich nicht als in deiner jetzigen Situation gefangen. Du bist der Schöpfer dessen, was mit dir passiert. Übernimm Verantwortung für dein Leben, denn du allein bist in der Lage, es dauerhaft zu ändern. 

 

Überlege also konkret: Wo stehe ich gerade in meiner Situation. Warum macht mich das nicht glücklich? Wo will ich hin? Warum will ich genau dort hin? Und dann geht es darum, einen Plan zu machen und vor allen Dingen konkret umzusetzen, wie du dieses Ziel erreichst. Wichtig: Du kannst die Unzufriedenheit, die du gerade empfindest, nicht unbedingt nur mit dem Ändern der äußeren Gegebenheiten los werden. Es kann genauso gut sein, dass du nur deine innere Einstellung zu den äußeren Gegebenheiten ändern musst.

 

Vielleicht liebst du deinen Partner ja immer noch, dich nerven nur einige Kleinigkeiten. Rede mit deinem Partner darüber, vielleicht ist ihm das Problem gar nicht bewusst. Aber auch, wenn sich an der Situation nichts ändert: Du kannst dich bewusst dafür entscheiden, dass die Zuneigung zu deinem Partner und die liebevolle Beziehung, die ihr zueinander habt, dir wichtiger ist als die Kleinigkeiten, die dich stören. Du kannst dich bewusst dafür entscheiden, zu bleiben. Nicht weil, sondern obwohl. Wenn du das tust, lässt du nicht deinen Partner, aber das Gefühl der Hilflosigkeit gehen, weil du siehst, dass du selbstbestimmt durchs Leben gehst.

 

Denselben Grundsatz kannst du auf jede andere Situation in deinem Leben anwenden. Denn das Loslassen einer Situation, aber vor allem das Loslassen eines Gefühls gehören zu den schwersten Handlungen, die man sich vorstellen kann. Und trotzdem. Du wirst dich danach besser fühlen. Du hast bewusst eine Entscheidung getroffen und übernimmst Verantwortung für dein Leben. Du wirst dadurch stärker, selbstbewusster und selbstbestimmter. Bei alledem handelst du ganz nach dem Motto: Love it, change it or leave it.

 



Hast du noch Probleme mit dem Loslassen? Bei was fällt es dir besonders schwer?