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Was Erfolg wirklich ist

Rückblick: Ich sitze in einem Bus. Es ist ein Bus von Krabi nach Bangkok, für den ich mich spontan entschieden habe. Neben mir sitzt ein Kumpel, den ich vor ein paar Tagen getroffen habe. Wir fahren durch die Nacht, am Weg sieht man immer wieder kleine Feuer. Wir reden.

 

Mein Freund erzählt von seinem Zuhause in Kanada. Wie er in seinem Job depressiv wurde. Auf Reisen wurde es besser, bis er an einer Schule in Thailand Englischunterricht gab. Die Methoden, mit denen die Kinder dort unterrichtet wurden, waren für ihn so unerträglich, dass er den Job abbrach. Er reiste ein bisschen dahin und dorthin, bis wir es ihn schließlich – zusammen mit mir – in diesen Bus verschlug.

 

Auf Reisen ist es wie sonst nur selten im Leben: Man trifft Leute und vertraut ihnen unglaublich schnell sein Innerstes an, man öffnet sich. Man wird selten verurteilt und wenn doch, sieht man die Menschen sowieso schon bald nie mehr wieder. 

 

Während dieses Gesprächs wurde ich an die Zeit vor meinem Asienaufenthalt erinnert. Ich erzählte ihm von dem Druck, der von Außen kam und dem Druck, den ich mir selbst gemacht hatte. Wie gelähmt ich mich gefühlt hatte. Wie ich nie wieder zurück wollte in dieses Gefühl. Mitten im Gespräch drehte ich mich zu ihm und sagte voller Leidenschaft: "I don't wanna be successful!" – Ich will nicht erfolgreich sein! 

 

Als Antwort bekam ich einen etwas verdutzten Blick. Nicht erfolgreich sein wollen? Klingt nach einer ziemlich blöden Idee. Was ich gemeint hatte, war die klassische (primär deutsche?) Definition von Erfolg. Erfolg im Job und das um jeden Preis. In den vergangenen fünf Monaten hatte ich gemerkt, dass das nicht mein Weg war. Doch hatte ich immer noch diese falsche Vorstellung, dass das genau das ist, was Erfolg bedeutet.

 

Mein Freund öffnete mir dann die Augen dafür, was Erfolg wirklich ist.

 

 

Erfolg liegt im Auge des Betrachters

Erfolg Scheitern Thailand

Denn was ist Erfolg eigentlich wirklich? Welchen Menschen darf man als erfolgreich bezeichnen? Sicher können wir uns darauf einigen, dass Steve Jobs erfolgreich war. Doch was ist mit Franz Kafka, der nach seinem Tod berühmt wurde, sein Leben aber als bedrückend empfand? Mit Gandhi, der acht Jahre seines Lebens in Gefängnissen verbrachte? Und vor allem: Wer war erfolgreicher? Jobs, Kafka oder Gandhi?

 

Die Antwort: Alle drei waren erfolgreich und alle drei waren gleich erfolgreich. Denn Erfolg liegt immer im Auge des Betrachters. Für einige ist es das klassische Modell: Erfolg im Beruf. Gutes Geld verdienen, einen Firmenwagen fahren, beim Chef hoch angesehen sein. Für andere ist es die Familie: Eine liebevolle Partnerschaft, die Kinder mit guten Schulnoten. Für wiederum andere ist es, mit sich selbst und seinem Inneren im Reinen sein. 

 

Was du aus dieser Beobachtung lernen kannst: Jeder Mensch hat eine andere Definition von Erfolg. Und diese richtet sich nach den ganz persönlichen Werte- und Moralvorstellungen. Das bedeutet also auch, dass auch du diesem Wort deine ganz eigene Bedeutung geben kannst. Kein anderer kann dir sagen, was Erfolg für dich ist. Du musst lediglich deine wichtigsten Werte kennen.

 

Erfolg: Der Weg ist das Ziel

Viele Menschen antworten auf die Frage, was Erfolg für sie ist außerdem, dass Erfolg sei, wenn man (eigene oder fremdgesetze) Ziele erreicht. Und sicher können Ziele einen wahren und vor allem langfristigen Motivationsschub auslösen. 

 

Das Problem: Man empfindet das befriedigende Gefühl des Erfolgs erst, wenn man das Ziel erreicht. Das nimmt dir nicht nur die Flexibilität, dich umzuentscheiden. (Und genau das sollte nicht passieren, wenn du dir Ziele richtig setzt.) Vor allem bedingt diese Einstellung, dass du dich als Versager fühlst, wenn du dein Ziel – aus welchen Gründen auch immer – nicht erreichst. 

 

Doch genau das ist absoluter Blödsinn. Denn wer scheitert, ist nicht gescheitert, sondern gescheiter. Du wächst schon auf dem Weg zu deinem Ziel enorm. Und nur, weil du nicht ankommst, heißt das nicht, dass du nicht erfolgreich warst. Im Gegenteil: Denn Erfolg ist schon allein die Verfolgung eines selbstgesetzten Ziels.

 

Erfolg: Der Weg der kleinen Schritte

Erfolg kleine Schritte Scheitern Thailand

Aus dieser Erkenntnis folgt auch gleich eine weitere. Denn wenn der Weg das Ziel und allein die Verfolgung selbstgesetzter Ziele Erfolg ist, dann ist jeder kleine Schritt auf dem Weg dorthin schon ein Erfolg an sich. Wenn du also Frühaufsteher werden willst, hast du jeden Tag Erfolg, an dem du zur geplanten Zeit aus dem Bett steigst, du die Snoozetaste nicht betätigst oder sogar nur 10 Minuten früher aufstehst als gewöhnlich. 

 

Durch diesen Bewusstseinswandel streben wir dadurch letztlich nicht nur ein großes, weit entferntes Ziel an. Denn wenn wir das tun würden, hätten wir erst mit dessen Erreichung das Gefühl, erfolgreich zu sein (und uns dafür auch belohnen zu dürfen). Stattdessen erkennen wir, dass wir im Prozess an sich, durch jeden einzelnen kleinen Schritt wachsen und uns weiter entwickeln. 

 

Dabei besonders wichtig: Für jeden dieser kleinen Erfolge sollten wir uns feiern. Denn durch diese kleine Belohnung etablieren wir Gewohnheiten nicht nur viel einfacher. Wir fühlen uns außerdem viel besser, denn wir waren ja gerade erfolgreich. Das steigert unser Selbstvertrauen, wodurch wir wiederum mehr in unserem Leben erreichen. Und mehr Erfolge feiern können. 

 


Erzähl mal, was ist Erfolg für dich?